| Die Philosophie von Sabina Hengstermann ist anziehende Kunst! Das Design entsteht wie ein Bild. Die Auswahl der Garne werden als Palette arrangiert. Hierbei lasse ich mich mitunter von den Wünschen der Kunden inspirieren. Die Nadeln fungieren wie Pinsel, die in unterschiedlicher Technik und Stärke dem Werk Muster, und, je nach Wunsch und Jahreszeit, Substanz beziehungsweise Luftigkeit verleihen. Ich spiele, experimentiere immer aufs Neue. Kein Werk ist wie das andere, keine Vorlage geht voran. Nur eine eventuelle Vorstellung treibt -neugierig auf das was entsteht- die Nadeln durch die Maschen. Auch für mich ist das Ergebnis jedesmal eine Überraschung. Ungeduld lässt mich erst zu Ruhe kommen, wenn die letzte Nadel raus, der letzte Faden vernäht, und die letzte Verziehrung an ihrem Platz ist. Erst dann hat es seinen endgültigen Charakter und bekommt seinen Namen . Ich liebe es dabeizusein, wenn ein „Teil von mir“ seine Bestimmung findet. Auch hier werde ich häufig überrascht. Wenn zum Beispiel Damen, Herren, Kinder zu mir an den Stand kommen, manchmal nur zum Spaß etwas anprobieren, wird das Kleidungsstück, das zuvor nur dekorativ auf einem Kleiderbügel hing, plötzlich zu einer lebendigen Skulptur. Der Mensch der sich hineinkuschelt, sieht die Farben, riecht die Wolle, wird zur Performance, hört die Resonanz des Publikums, fühlt sich wohl mit allen Sinnen. Und manchmal mag er sich nicht mehr trennen. |
Herrliche Geschichten passieren, und oftmals gibt es unglaubliche Schicksalsbegegungen. Die bisher wohl wunderbarste geschah mit ![]() „Der Geist der Birke“ Es war einmal ein Mantel, der ursprünglich als Kostüm für das Stelzentheater Waldwesen bestimmt war, bei dem schon einige Figuren von mir eingekleidet wurden. Ich nannte ihn „spirit of birch“ - der Geist der Birke und ließ ihn dem Chef des Ensembles zukommen. Kurze Zeit später trafen wir uns auf einem Festival, und er brachte mir den Mantel mit dem Bedauern, dass er für ihr Repertoire wohl zu edel sei, zurück. Wenn so etwas passiert, dann hat das seinen „Grund“, dachte ich, und präsentierte ihn an meinem Stand, wo er daraufhin große Begeisterung hervorrief. Er ist das Edelste und Teuerste, was ich bisher geschaffen habe, dementsprechend das Entgeld auch nicht unbedingt mal eben aus dem Ärmel zu schütteln. Eine gute Freundin von mir gesellte sich zu den Begeisterten. Sie trug zufällig ohnehin schon Kleidung, die wie absichtlich auf den Birkengeist abgestimmt war, und wollte den Mantel unbedingt für sich. Am nächsten Morgen kam sie weinend zu mir an den Stand und bat mich, sie von dem Zauber zu befreien, der sie eingefangen habe, denn der Preis sei nach reiflicher Überlegung für sie zur Zeit nicht zu leisten. Als Freundin wollte sie auch keine Ratenverpflichtung mit mir haben. So verschob sie das lieber auf einen späteren Zeitpunkt. Wenn so etwas passiert, dann hat das seinen „Grund“, dachte ich abermals. Unterdessen zog ein junger Mann immer engere Kreise um den Stand und speziell um den Mantel. Er tat dies mit entsprechenden Kommentaren, die ich zunächst nicht allzu ernst nahm. Schließlich bat er eine große, schlanke Elfenfrau, den Mantel für ihn probezupräsentieren. Ja, und dann hatte er sich entschieden. Kurzerhand wurde ein Preis ausgehandelt, bezahlt, und zu guter Letzt lieferte er mir den wohl schönsten „Grund“, den es geben kann: „Dieser Mantel ist für meine Frau, die nicht hiersein kann, da in wenigen Tagen unser Baby das Licht der Welt erblickt. Und wenn sie nach dem Wochenbett nach Hause kommt, wird er dort als Überraschung auf sie warten.“ Wenn so etwas passiert, dann hat das seinen „Grund“. Die Glückliche schrieb mir eine Weile später höchstselbst, teilte mir ihre Freude über die Geburt ihres Kindes und das Geschenk mit, und dass sie so etwas schönes wohl noch nie gesehen habe.... |
Als Jemand, der durch seine Produktionen auf eine spezielle Art wirklich lebendig bewegte Farben, Bilder oder gar Skulpturen in die oft tristuniformen Straßen der Welt bringt, verstehe ich mich weniger als Handwerkerin denn als Künstlerin, was meine Fans und Kunden ausschließlich auch tuen. Ich weiß, dass Stricken in die Kategorie Handwerk fällt, und ich als Verkäuferin meiner Produkte Handelstreibende bin, aber wenn Sie meine Arbeiten sehen -irgendwo in der Welt- werden Sie die Besonderheit, die ihnen eine ganz eigene Note verleiht, wiedererkennen, und verstehen, dass es sich nicht einfach designen lässt, um durch Andere produziert zu werden, sondern nur durch mich, wie ein Gemälde auch nur von dem Künstler selbst gemalt werden kann. Und wenn sie mir eines Tages auf einem Kunstmarkt an meinem Stand begegnen, oder in meinem Openair-Atelier an der Weser, lassen sie sich von mir verkleiden, verzaubern , performen und tauchen einen Augenblick oder für immer ein in Wolllust in Maschen. Und ihr Resultat wird sein: Das ist Kunst! |